Abschlussseminar
Unser Abschlussseminar fand dieses Jahr im Jugend- und Bildungshaus St. Norbert in Rot an der Rot statt, einem ehemaligen Kloster mit einem ganz anderen Flair als die "Hütten" bei vorherigen Seminaren. Geleitet wurde es von allen unseren Seminarleitern Max Kemmner, Steffen Vogel, Thomas Fobringer und Helene Mommertz sowie den freien Mitarbeitenden Lisa, Lucia, Emili, Benjamin und Kilian.
Außerdem waren einige Referentinnen und Referenten vor Ort, die uns mit spannenden Vorträgen begleiteten: die Musikerin Fernanda Tarrech, die Geoökologin Dr. Maria Georgi, der Bildungsreferent Johannes Miller von der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) sowie die Autorin Clara Tempel.
Am Montag reiste ich etwas verspätet an, weil mein Bus Verspätung hatte. Als ich ankam, lief gerade das Kennenlernspiel mit der großen Gruppe – fast 100 FÖJlerinnen und FÖJler aus allen 4 Seminargruppen. BO- Bodensee Oberschwaben, NT- Neckar Tauber, SR- Schwarzwald Rhein, SA- Schwäbische Alb. Anschließend trafen wir uns in unseren eigenen Seminargruppen. Dort tauschten wir uns darüber aus, was seit dem letzten Wiedersehen passiert war, denn einige hatten sich seit den Wahlseminaren im März nicht mehr gesehen. Jedes Wahlseminarteam erzählte kurz von ihrem Wahlseminar und den Highlights und Erfahrungen.
Nach dem Abendessen gab es ein freiwilliges Konzert. Stattdessen gingen wir gemeinsam zum Fuchsweiher baden. Dort gab es ein Floß, eine Plattform im Wasser und eine kleine Sprungmöglichkeit. Es war ein wunderschöner Abend. Besonders schön fand ich, wie leicht man mit den anderen FÖJlerinnen und FÖJlern ins Gespräch kam. Durch die vielen gemeinsamen Erfahrungen entstanden sofort interessante Unterhaltungen und neue Bekanntschaften. Am Dienstagvormittag beschäftigten wir uns intensiv mit unserem FÖJ. Dafür bekam jede Person ein Heft mit dem Titel "Das letzte Kapitel". Zunächst bearbeiteten wir die Seiten alleine und später auch gemeinsam in der Gruppe. Die abwechslungsreichen Aufgaben halfen dabei, das gesamte Jahr noch einmal bewusst Revue passieren zu lassen. Die Zeit verging dabei unglaublich schnell.
Am Nachmittag stand Kreativarbeit auf dem Programm. Die Auswahl war riesig: Töpfern, Active Painting, Poetry Writing, Land Art, Taschen besticken, Musizieren oder eigene Projekte entwickeln. Eine Gruppe entschied sich spontan dafür, einen kleinen Film mit dem Titel Mord auf dem Seminar zu drehen. Das war extrem lustig. Ich fand es besonders schön, dass jede und jeder die Möglichkeit hatte, sich kreativ auf die eigene Art auszudrücken.
Am Abend präsentierten wir bei einer Vernissage alle entstandenen Werke. Es gab viele Gänsehautmomente – beispielsweise bei einem Gedicht über das Ende des FÖJ oder einem selbst komponierten Musikstück. Auch die Kunstwerke und bestickten Taschen waren beeindruckend. Fast alle hatten sich schick angezogen, wodurch eine ganz besondere Atmosphäre entstand. Am Mittwoch fanden die Workshops statt, für die wir uns bereits Wochen vorher anmelden konnten. Zur Auswahl standen unter anderem:
- Die Natur als Apotheke und Speisekammer
- Es grünt im Großstadtdschungel
- Problemlösung in der Natur
- Sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft
- Resilienz
Ich entschied mich für den Workshop Resilienz. Dort beschäftigten wir uns mit der Frage, was Resilienz eigentlich bedeutet und wie wir unsere eigene Widerstandsfähigkeit stärken können. Wir machten Sinnesübungen mit verschiedenen Baum-Düftölen, hörten eine Traumreise und wurden anschließend mit Pfefferminz-Isolat wieder wach. Danach gingen wir gemeinsam in den Wald und spielten das Spiel „Mein Baum“, bei dem Vertrauen und Wahrnehmung im Mittelpunkt standen. Am Nachmittag spielten wir ein Planspiel, das zeigen sollte, dass natürliche Ressourcen begrenzt sind und nachhaltig genutzt werden müssen. Auch wenn dieser Teil etwas lang war, bot er interessante Denkanstöße.Besonders schön waren die Pausen. Nachmittags gab es immer Kaffee, Kuchen und Obst. Oft setzte man sich einfach zu einer neuen Gruppe und kam sofort mit anderen ins Gespräch. Die Offenheit von allen FÖJlern machte das Seminar zu etwas Besonderem.Am Donnerstagvormittag blickten die FÖJ-Sprecherinnen noch einmal auf das gemeinsame Jahr zurück. Anschließend hielt die Autorin Clara Tempel einen Vortrag zum Thema Politische Geborgenheit und sprach darüber, wie Menschen langfristig in sozialen Bewegungen aktiv bleiben können. Beeindruckend fand ich, dass sie sich bereits seit ihrer Kindheit so aktiv engagiert. Nach dem Mittagessen verbrachten wir das letzte Mal Zeit mit unserer Seminargruppe. Gemeinsam kauften wir noch ein Eis im Edeka und liefen bei großer Hitze zu einem See. Dort badeten wir und trafen zufällig welche von einer anderen Seminargruppe, mit denen wir den Nachmittag verbrachten. Am Abend fand schließlich unser Abschlussfest statt. Zuerst spielten wir Verstecken im Kloster – das war sehr cool aber auch außergewöhnlich. Danach machten sich die Pädagogen malwieder "zum Affen" und überraschten uns mit einem lustigen Lied. Anschließend wurde gefeiert, getanzt, Musik gehört und gemeinsam Bowle getrunken. Später trafen sich viele noch im Keller zum Tischkicker, Karten spielen oder einer Runde Beer Pong.
Am Freitag verging die Zeit plötzlich sehr schnell. Nach dem Frühstück werteten wir das Seminar aus, besprachen Organisatorisches und räumten gemeinsam auf. Der emotionalste Moment war für mich jedoch eine kleine Abschiedsaktion: Jede Person bekam ein Blatt Papier auf den Rücken geklebt und alle konnten darauf notieren, was sie an dieser Person schätzen oder ihr für die Zukunft wünschen. Beim Lesen meiner Nachrichten bekam ich wieder Gänsehaut. „Ich kenne wenige Menschen, die so nett sind wie du.“ „Ich feiere es, wie sehr du für Calisthenics brennst.“ „Du bist wahnsinnig wandelbar. Gespräche mit dir machen richtig Spaß.“ „Super engagiert und positiv – schön, dass du in unserer Gruppe warst.“ „Bei Gesprächen mit dir fühlt man sich immer wohl.“ ich habe nochmal bewusster wahrgenommen, wie viele wertvolle Begegnungen dieses Jahr mit sich gebracht hat und bin auch sehr froh über jede einzelne. Auch dass sich sowohl in unserer Seminargruppe als auch in der großen Seminargemeinschaft alle so gut verstanden haben und alle einfach super cool drauf waren wurde mir bewusst und hat mich sehr glücklich gemacht. :)
Zum Abschluss verabschiedeten wir uns von allen anderen und gingen in der Freundesgruppe noch ein letztes Mal an den Fuchsweiher.
Mein Fazit:
Das Abschlussseminar war der perfekte Abschluss für mein FÖJ. Es bot Raum, auf das vergangene Jahr zurückzublicken, kreativ zu werden, Neues zu lernen und vor allem viele besondere Menschen kennenzulernen. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie schnell dieses Jahr vergangen ist. Trotz der Abschiedsstimmung nehme ich viele schöne Erinnerungen, neue Freundschaften und wertvolle Erfahrungen mit, die mich sicher noch lange begleiten werden.